<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss version="2.0">
<channel>
<title>Chris Haring - liquidloft</title>
<link>http://www.liquidloft.at//</link>
<description>Chris Haring - liquidloft News</description>
<language>de</language><item>
		<title><![CDATA[Dates]]></title>
		<link>http://www.liquidloft.at//index.php?art_id=569</link>
		<description><![CDATA[

]]></description> <pubDate>Tue, 17 Apr 2012 15:21:00 GMT</pubDate></item><item>
		<title><![CDATA[Theory]]></title>
		<link>http://www.liquidloft.at//index.php?art_id=568</link>
		<description><![CDATA[Liquid Loft und Dialogue Dance Kostroma / Russland 
 
 in Zusammenarbeit mit Dance Theatres Network (TsEKh) Moskau im Rahmen von "Factories of Imagination. 

]]></description> <pubDate>Tue, 17 Apr 2012 15:20:00 GMT</pubDate></item><item>
		<title><![CDATA[Theory]]></title>
		<link>http://www.liquidloft.at//index.php?art_id=566</link>
		<description><![CDATA[Liquid Loft & Dialogue Dance Kostroma / Russia 



in collaboration with Dance Theatres Network (TsEKh) Moscow within the framwork of "Factories of Imagination"

]]></description> <pubDate>Tue, 17 Apr 2012 15:18:00 GMT</pubDate></item><item>
		<title><![CDATA[Dates]]></title>
		<link>http://www.liquidloft.at//index.php?art_id=567</link>
		<description><![CDATA[



]]></description> <pubDate>Tue, 17 Apr 2012 15:18:00 GMT</pubDate></item><item>
		<title><![CDATA[Reviews]]></title>
		<link>http://www.liquidloft.at//index.php?art_id=560</link>
		<description><![CDATA[Der Standard, 10.02.2012
  


Gespenstertanz in einem Sto&#776;rungsgebiet / Helmut Ploebst
  

  
Feine Fa&#776;den, die im Bu&#776;hnenlicht so zart schimmern wie Spinnweben: "Mush Room" von Chris Haring im TQW.
  

  
Wien - Schon zu Beginn des Stu&#776;cks, wenn aus den Lautsprechern ein Dosenlachen durch das noch dunkle Theater scheppert, wird die Atmospha&#776;re unheimlich. Tatsa&#776;chlich bleibt einem bei Chris Harings Tanzstu&#776;ck Mush Room, das im Tanzquartier Wien uraufgefu&#776;hrt wurde, o&#776;fters einmal das Lachen im Hals stecken.
  

  
Und nicht erst, wenn eine Ta&#776;nzerin mit asiatischem Aussehen an ein Mikrofon tritt und in spritzigem Schweizerdeutsch die Zusammenha&#776;nge zwischen Sex in reiferen Jahren und Alzheimer ero&#776;rtert. Sondern bereits, sobald nach dem erwa&#776;hnten ersten Dosenlachen ein weiteres Mitglied der siebenko&#776;pfigen Truppe in dem Stu&#776;ck manieriert erkla&#776;rt, wie schwierig es sei, etwas zum Wachsen zu bringen und wie leicht alles Gehegte und Gepflegte verku&#776;mmern und absterben kann.
  

  
Mush Room ist der zweite Teil eines Tanzprojekts, das Haring und seine Gruppe Liquid Loft vergangenen Sommer beim Impulstanz-Festival begonnen haben: The Perfect Garden, eine Serie u&#776;ber die Ambivalenz von Paradiesesvorstellungen und u&#776;ber das Tru&#776;gerische an Utopien mit Erlo&#776;sungsversprechen. Nach dem Einstieg mit Wellness im schwu&#776;len Palmenhaus des Burggartens nun also im Winterfrost die Fortsetzung unter einem Titel, bei dem an Pilzwucherungen und an im Englischen so genannte "mush areas", also Sto&#776;rungsgebiete, gedacht werden kann.

Der franzo&#776;sische Ku&#776;nstler Michel Blazy hat in die Mitte der Bu&#776;hne einen transparenten Raum gestellt, dessen Wa&#776;nde und Inneres aus feinen, klebstoffa&#776;hnlichen Fa&#776;den bestehen, die im Bu&#776;hnenlicht so zart schimmern wie Spinnweben. In diesen Raum strebt das gesamte Personal des Stu&#776;cks. Doch dort verwandeln sich alle in Sto&#776;rfa&#776;lle: Mechanisch wie kaputte Roboter fu&#776;hren sie immer gleiche Bewegungsmuster aus und verbinden sich zu leerlaufenden Menschenmaschinen.
  

  
In weiteren Szenen wird klar, dass dieser offen erscheinende, pseudoideale Raum auf der Bu&#776;hne so etwas wie ein grieselndes Fernsehbild ist, durch das hin und wieder Fetzen eines Films flimmern. Die Figuren im Stu&#776;ck werden von Sto&#776;rungen erfasst, die sie von Wesen aus Fleisch und Blut in virtuelle Gespenster transformieren. Ihre Ko&#776;rper flackern, stottern, geraten in Feedback-Schleifen, bekommen Sprechdurchfall, werden ru&#776;ckwa&#776;rts und vorwa&#776;rts abgespielt. Und sie scheinen das alles gar nicht zu bemerken. So gefa&#776;hrlich sind unsere Paradiese.
  

  
Haring und seine Komplizen - der Soundku&#776;nstler Andreas Berger und der Dramaturg Thomas Jelinek, in The Perfect Garden erweitert durch Blazys Bu&#776;hne und diesmal mit Andreas Spiegl als ku&#776;nstlerischem Begleiter - bearbeiten das Thema der medialen Verwurstung des menschlichen Ko&#776;rpers seit Jahren. Und weisen immer wieder aus verschiedenen Perspektiven auf den Totalverlust des sogenannten Authentischen im Zwischenreich des virtuellen Raums hin. Die dabei entstehenden Arbeiten sind, immer auf hohem Niveau ironisch, einmal schlu&#776;ssig, dann wieder eher an Gags orientiert.

In Mush Room ist Liquid Loft allerdings alles gelungen: von der bewundernswerten Performance der Ta&#776;nzer u&#776;ber Licht und Dramaturgie bis hin zur Bu&#776;hne und dem brillanten Sound. (Helmut Ploebst, DER STANDARD - Printausgabe, 11./12. Februar 2012)
  

  


Tanz.at 02.02.2012

Reifezeit im klingenden Garten / Ditta Rudle 
  

  
Nachdem im perfekten Garten von Liquid Loft der "Wellness" gehuldigt
  
worden ist (2011), lassen Chris Haring und sein Team nun die Schwammerl wachsen. "Mush Room" ist der zweite Teil der Reihe "The Perfect Garden", die aus immer neuen modularen Performances besteht. Dabei ist die Vera&#776;nderung, das Wachsen und Werden, organischer und anorganischer Ko&#776;rper und Objekte ebenso Bestandteil des Geschehens wie der sich sta&#776;ndig wandelnde Klangraum, in dem sich die Ta&#776;nzerInnen bewegen.
  

  
Einfach ist es nicht, sich im Garten von Michel Blazy zurecht zu finden. Silbrig gla&#776;nzende, klebrige Fa&#776;den teilen den Kubus aus der Bu&#776;hne in kleine und kleinste Ra&#776;ume, entwickeln ein Eigenleben, reißen ab, tropfen zu Boden, behindern die Ta&#776;nzerInnen oder weisen ihnen den Weg. Der franzo&#776;sische Ku&#776;nstler liebt, wie Chris Haring, der ku&#776;nstlerische Leiter von Liquid Loft, das Experiment und die Vera&#776;nderung. Blazys Materialien, die er fu&#776;r seine Werke (Malereien, Skulpturen und Installationen) beno&#776;tigt, sind der Natur entnommen (ausgepresste Orangenha&#776;lften, Kartoffelflocken, Agar-Agar) oder stammen aus Bauma&#776;rkten und Gartencentern. Die verarbeiteten Produkte u&#776;berla&#776;sst er, als Metaphern des Wachstums, dem natu&#776;rlichen Vera&#776;nderungsprozess, den er nur bedingt beeinflussen kann.
  

  
Fasziniert von den Arbeiten Blazys hat ihn Chris Haring fu&#776;r seine Serie "The Perfect Garden" als Setdesigner engagiert, um seine eigenden Gedanken u&#776;ber die Zeit, ihr Fortschreiten und Vergehen, zu visualisieren. Kann man die Zeit anhalten? Ein Ereignis immer wieder zuru&#776;ckholen, um das Glu&#776;ck erneut zu erleben und zu genießen? Die Natur ha&#776;lt sich nicht an die Wu&#776;nsche des Individuums, die Schaumgebilde (in "Wellness") wachsen unaufho&#776;rlich zu fantastischen Skulpturen, bis sie in sich zusammensinken und neue Bilder entstehen lassen. Auch die von der Decke des Wu&#776;rfels ha&#776;ngenden Fa&#776;den aus erwa&#776;rmter Isoliermasse folgen ihren eigenen Gesetzen. Die Ta&#776;nzerInnen mu&#776;ssen sich anpassen. "Michel Blazys Arbeiten, die sich mit Langsamkeit, Verga&#776;nglichkeit und Entwicklung auseinandersetzen, haben durchaus auch einen choreografischen Aspekt. In ihrem, mitunter zehn Jahre dauernden, Verfalls- und Vera&#776;nderungsprozess hinterlassen Michels Installationen und Bilder Spuren. Die Bewegungen der Ta&#776;nzer und Ta&#776;nzerinnen hinterlassen keine. Sie gehen verloren." Diesem Prozess mo&#776;chte Haring entgegenwirken. Spuren sollen hinterlassen werden, "aber Entwicklung ist sehr schwer darzustellen."
  

  
Die Ko&#776;rper der Ta&#776;nzerInnen agieren nicht nur im installierten Garten des Michel Blazy sondern auch im Klangraum von Andreas Berger. Auch dieser ist sta&#776;ndigen Vera&#776;nderungen unterworfen, verschiebt sich, bewegt sich vor und zuru&#776;ck steht still, dehnt sich und schrumpft, wird auch bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Wie in einem experimentellen Film wiederholen auch die Ta&#776;nzerInnen bestimmte Sequenzen, bewegen sich in der Dimension Zeit vor und zuru&#776;ck, dekonstruieren ihre Bewegungen und setzen sie neu zusammen.

"Der Sound", sagt Haring, "ist das Wichtigste, davon gehen wir aus. Das Experimentieren mit akustischen Settings ist integraler Bestandteil jedes Bu&#776;hnenstu&#776;cks. Der Sound ist schon da, bevor ich mit der Choreografie beginne." Natu&#776;rlich ist auch die gemeinsam mit Blazy ausgwa&#776;hlte Gartenbepflanzung schon da. Der Auswahlprozess ist schwierig und langwierig, weil Blazy mit einem reichhaltigen Fundus an Materialien experimentiert. Urspru&#776;nglich ha&#776;tten diesmal Glasnudeln den Garten bewachsen sollen. Doch dann wurde der Kunststoff bevorzugt, aber Chris Haring ha&#776;ngt am Nudeltopf: "Die kommen schon auch noch dran." Vielleicht, wenn der Garten im Freien aufgebaut wird.
  

  
Die modulare Konstruktion der Ga&#776;rten hat na&#776;mlich, abgesehen von der darunter liegenden Theorie, auch einen praktischen Wert. "Wir ko&#776;nnen Teile herausnehmen und in anderer Umgebung zeigen oder mit anderen Teilen neu zusammensetzen. Unser Ausgangspunkt ist willku&#776;rlich gewa&#776;hlt: Eine einzige Minute aus dem Probenprozess haben wir zur zentralen Szene der Auffu&#776;hrung gemacht. Damit wird gespielt." Der Garten ist transportabel und "Mush Room" wird nach der Urauffu&#776;hrung im Tanzquartier auch auf dem Residenzplatz in Salzburg, mitproduziert von der Szene Salzburg, zu sehen sein. Ebenso beim Festival tanz ist in Dornbirn und im Hochsommer beim Internationalen ImPulsTanz Festival in Wien.
  

  
Ein gutes halbes Jahr arbeitet Haring mit seinem Team (jeweils aus allen Ecken der Welt anreisend) an einem neuen Gartenmodul. Ruhender Pol und langja&#776;hrige Stu&#776;tze von Liquid Loft: die Ta&#776;nzerin und Choreographin Stephanie Cumming, die im Schwammerlgarten sowohl mittanzt als auch als choreografische Assistentin ist. Apropos "Schwammerl", genau das soll "Mush Room" nicht sein, sondern "ein Schwammerlaktionismus, ein Marionettentheater." Sich als Zuschauerin im "Perfect Garden" zu unterhalten, ist erlaubt, kuscheliges Wohlgefu&#776;hl und purer a&#776;sthetischer Genuss jedoch nicht beabsichtigt.
  

  


Wiener Zeitung, 10.02.2012
Tanz der Anti-Schwammerln / Verena Franke



Silbriger Grusel im perfekten Garten.



Chris Haring macht sich die Natur untertan und krönt sich zum Herrn über die Zeit. Was nach fortgeschrittenem Größenwahn klingt, ist schlichtweg Inhalt seiner jüngsten Performance "Mush Room". Die Schwammerln sind der zweite Teil seiner Performance-Reihe "The Perfect Garden", die er im Vorjahr mit "Wellness" eröffnete.



Der Garten im Kubus



Einmal mehr widmet sich der heimische Performer mit seinem Ensemble Liquid Loft der Gartenidee des Wachsens und Gedeihens, aber auch des Vergehenlassens. Diesmal in einem Raum im Raum, einem Kubus, der aus glänzenden, scheinbar klebrigen Fäden besteht. Wie schon in "Wellness" schafft der französische Künstler Michel Blazy ein Spielfeld, in dem Haring seine Performance aufblühen lassen kann: Durch immer wieder kehrende Repetitionen intensivieren sich die Bewegungen, die von den glitzernden Fädchen beeinflusst werden. Das braucht Zeit, die sich Haring nimmt, ohne sein Publikum zu sättigen. Abläufe zerlegt er, dann setzt er sie neu zusammen: Sequenzen beginnen im Rücklauf, um danach erst in "normaler" Zeitfolge zu entstehen.



Richtig gruselig wird es dann mit der Klangkulisse von Andreas Berger, der Harings Zeitbegriff in seiner Komposition aufgreift und reflektiert: Surreale Lacher, ansteckendes Baby-Kichern und Glucksen sowie zischende Begleitgeräusche betten die Performer in eine faszinierende Endlosschleife, in der "Mush Room" wohl eher mit der Übersetzung in "Verwirrungsraum" zu tun hat als mit Schwammerln.




Kurier, 11.02.2012
  


Strapazierter Mensch auf Selbstsuche / Silvia Kargl
  

  
Wie nutzt die Gesellschaft die Zeit? Dieser Frage gehen Liquid Loft/Chris Haring in ihrem neuen Stück "Mush Room" im Tanzquartier/Halle G nach (noch zu sehen heute, Samstag). Auch in diesem zweiten Teil des mehrteiligen Projekts "Perfect Garden" an verschiedenen Schauplätzen steht nach "Wellness" der durch äußere Einflüsse und selbst auferlegte Zwänge strapazierte Mensch im Mittelpunkt.
  

  
Der Set-Designer Michel Blazy fand mit einem von dünnen Fäden durchzogenen Quader einen adäquaten äußeren Rahmen, der wie ein kunstvolles, zunächst verführerisches Gefängnis mit Netzen wirkt.

Die Performer verfallen auf der Suche nach dem Gleichgewicht und nach Empfindungen in geradezu manische Bewegungsfolgen, verstricken sich im Fadennetz und finden keinen Ausweg. Bewegungen, Posen, Gesten und Texte werden als emotionslose Hüllen exekutiert. Kurze Moment des Genusses lassen sich schnell zerstören und kaputtreden.

Liquid Loft/Chris Haring ist eine starke Choreografie mit raffiniert verpackten sozialen Bezügen zur Gegenwart gelungen.
  

  


Kronen Zeitung, 13.02.2012

 Wie Tanz wuchert und verwelkt / Karlheinz Roschitz 
  

  
Er träumt von Paradiesen, von Utopien, die er letztlich zerstört, von der Entschleunigung der Zeit, von Bewegungsformen, die - ständig wiederkehrend - mehr und mehr an Intensität gewinnen: Chris Haring zeigt im MuseumsQuartier Halle G, die Uraufführung seiner Performance "Mush Room".
  

  
Bei ImPuls Tanz 2011 konnte man im Palmenhaus seine "Wellness", den ersten Teil der Trilogie "The Perfect Garden" bestaunen. In Halle G inszenierte er nun für seine Kompanie Liquid Loft Teil II, "Mush Room": eine Welt der Pilze, die wuchern, sich verschlingen und ihren Raum unterminieren.

Michel Blazy, "ein Jules Verne der Kunst", der "mikrokosmische Modelle zum System Leben und utopische Szenarien" entwickelt, entwarf für Haring einen wunderschönen Raum: einen Kubus aus hauchdünnen, klebstoffartigen Fäden, die im wechselnden Licht (Thomas Jelinek) an silbrige Spinnweben erinnern.
  

  
In diesem "Würfel" exerzieren die Damen und Herren Harings Performance - mit der Genauigkeit von Robotern, aber auch mit gewichtiger Bedeutsamkeit und Eleganz. Alles spielt in diesem "Perfect Garden" perfekt zusammen, sodass der Eindruck eines vegetabilen Gesamtkunstwerks entsteht. Tanz, der wuchert und wie altgewordene Kulturen verwelkt, wabert, zwischen sanft poetischem Bewegungsspiel, genau abgemessenem Ritual und aggressiven (Schläge-)Entladungen dahinschlingert. . .
  

  
Wesentlichen Anteil hat neben dem raffiniert geführten Licht aber auch die Klangkulisse, die Andreas Berger zwischen Groteske und einer beängstigenden Geräuschwelt aus der Konserve ansiedelt. Eine surreale Klangwelt wuchert und verweht. Eine Tänzerin verstrickt sich in sabbernden Wortkaskaden über Sex im Alter, eine andere in Gedanken über die Pflege von Kulturen...
  

  
Chris Haring, der bei der Biennale von Venedig für seine "Art of Seduction" mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, hat ein tiefes, ja abgründiges Stück entworfen, das auf den dritten Teil gespannt macht.


]]></description> <pubDate>Fri, 24 Feb 2012 16:29:00 GMT</pubDate></item><item>
		<title><![CDATA[Reviews]]></title>
		<link>http://www.liquidloft.at//index.php?art_id=559</link>
		<description><![CDATA[Der Standard, 10.02.2012
  


Gespenstertanz in einem Sto&#776;rungsgebiet / Helmut Ploebst
  

  
Feine Fa&#776;den, die im Bu&#776;hnenlicht so zart schimmern wie Spinnweben: "Mush Room" von Chris Haring im TQW.
  

  
Wien - Schon zu Beginn des Stu&#776;cks, wenn aus den Lautsprechern ein Dosenlachen durch das noch dunkle Theater scheppert, wird die Atmospha&#776;re unheimlich. Tatsa&#776;chlich bleibt einem bei Chris Harings Tanzstu&#776;ck Mush Room, das im Tanzquartier Wien uraufgefu&#776;hrt wurde, o&#776;fters einmal das Lachen im Hals stecken.
  

  
Und nicht erst, wenn eine Ta&#776;nzerin mit asiatischem Aussehen an ein Mikrofon tritt und in spritzigem Schweizerdeutsch die Zusammenha&#776;nge zwischen Sex in reiferen Jahren und Alzheimer ero&#776;rtert. Sondern bereits, sobald nach dem erwa&#776;hnten ersten Dosenlachen ein weiteres Mitglied der siebenko&#776;pfigen Truppe in dem Stu&#776;ck manieriert erkla&#776;rt, wie schwierig es sei, etwas zum Wachsen zu bringen und wie leicht alles Gehegte und Gepflegte verku&#776;mmern und absterben kann.
  

  
Mush Room ist der zweite Teil eines Tanzprojekts, das Haring und seine Gruppe Liquid Loft vergangenen Sommer beim Impulstanz-Festival begonnen haben: The Perfect Garden, eine Serie u&#776;ber die Ambivalenz von Paradiesesvorstellungen und u&#776;ber das Tru&#776;gerische an Utopien mit Erlo&#776;sungsversprechen. Nach dem Einstieg mit Wellness im schwu&#776;len Palmenhaus des Burggartens nun also im Winterfrost die Fortsetzung unter einem Titel, bei dem an Pilzwucherungen und an im Englischen so genannte "mush areas", also Sto&#776;rungsgebiete, gedacht werden kann.

Der franzo&#776;sische Ku&#776;nstler Michel Blazy hat in die Mitte der Bu&#776;hne einen transparenten Raum gestellt, dessen Wa&#776;nde und Inneres aus feinen, klebstoffa&#776;hnlichen Fa&#776;den bestehen, die im Bu&#776;hnenlicht so zart schimmern wie Spinnweben. In diesen Raum strebt das gesamte Personal des Stu&#776;cks. Doch dort verwandeln sich alle in Sto&#776;rfa&#776;lle: Mechanisch wie kaputte Roboter fu&#776;hren sie immer gleiche Bewegungsmuster aus und verbinden sich zu leerlaufenden Menschenmaschinen.
  

  
In weiteren Szenen wird klar, dass dieser offen erscheinende, pseudoideale Raum auf der Bu&#776;hne so etwas wie ein grieselndes Fernsehbild ist, durch das hin und wieder Fetzen eines Films flimmern. Die Figuren im Stu&#776;ck werden von Sto&#776;rungen erfasst, die sie von Wesen aus Fleisch und Blut in virtuelle Gespenster transformieren. Ihre Ko&#776;rper flackern, stottern, geraten in Feedback-Schleifen, bekommen Sprechdurchfall, werden ru&#776;ckwa&#776;rts und vorwa&#776;rts abgespielt. Und sie scheinen das alles gar nicht zu bemerken. So gefa&#776;hrlich sind unsere Paradiese.
  

  
Haring und seine Komplizen - der Soundku&#776;nstler Andreas Berger und der Dramaturg Thomas Jelinek, in The Perfect Garden erweitert durch Blazys Bu&#776;hne und diesmal mit Andreas Spiegl als ku&#776;nstlerischem Begleiter - bearbeiten das Thema der medialen Verwurstung des menschlichen Ko&#776;rpers seit Jahren. Und weisen immer wieder aus verschiedenen Perspektiven auf den Totalverlust des sogenannten Authentischen im Zwischenreich des virtuellen Raums hin. Die dabei entstehenden Arbeiten sind, immer auf hohem Niveau ironisch, einmal schlu&#776;ssig, dann wieder eher an Gags orientiert.

In Mush Room ist Liquid Loft allerdings alles gelungen: von der bewundernswerten Performance der Ta&#776;nzer u&#776;ber Licht und Dramaturgie bis hin zur Bu&#776;hne und dem brillanten Sound. (Helmut Ploebst, DER STANDARD - Printausgabe, 11./12. Februar 2012)
  

  


Tanz.at 02.02.2012

Reifezeit im klingenden Garten / Ditta Rudle 
  

  
Nachdem im perfekten Garten von Liquid Loft der "Wellness" gehuldigt
  
worden ist (2011), lassen Chris Haring und sein Team nun die Schwammerl wachsen. "Mush Room" ist der zweite Teil der Reihe "The Perfect Garden", die aus immer neuen modularen Performances besteht. Dabei ist die Vera&#776;nderung, das Wachsen und Werden, organischer und anorganischer Ko&#776;rper und Objekte ebenso Bestandteil des Geschehens wie der sich sta&#776;ndig wandelnde Klangraum, in dem sich die Ta&#776;nzerInnen bewegen.
  

  
Einfach ist es nicht, sich im Garten von Michel Blazy zurecht zu finden. Silbrig gla&#776;nzende, klebrige Fa&#776;den teilen den Kubus aus der Bu&#776;hne in kleine und kleinste Ra&#776;ume, entwickeln ein Eigenleben, reißen ab, tropfen zu Boden, behindern die Ta&#776;nzerInnen oder weisen ihnen den Weg. Der franzo&#776;sische Ku&#776;nstler liebt, wie Chris Haring, der ku&#776;nstlerische Leiter von Liquid Loft, das Experiment und die Vera&#776;nderung. Blazys Materialien, die er fu&#776;r seine Werke (Malereien, Skulpturen und Installationen) beno&#776;tigt, sind der Natur entnommen (ausgepresste Orangenha&#776;lften, Kartoffelflocken, Agar-Agar) oder stammen aus Bauma&#776;rkten und Gartencentern. Die verarbeiteten Produkte u&#776;berla&#776;sst er, als Metaphern des Wachstums, dem natu&#776;rlichen Vera&#776;nderungsprozess, den er nur bedingt beeinflussen kann.
  

  
Fasziniert von den Arbeiten Blazys hat ihn Chris Haring fu&#776;r seine Serie "The Perfect Garden" als Setdesigner engagiert, um seine eigenden Gedanken u&#776;ber die Zeit, ihr Fortschreiten und Vergehen, zu visualisieren. Kann man die Zeit anhalten? Ein Ereignis immer wieder zuru&#776;ckholen, um das Glu&#776;ck erneut zu erleben und zu genießen? Die Natur ha&#776;lt sich nicht an die Wu&#776;nsche des Individuums, die Schaumgebilde (in "Wellness") wachsen unaufho&#776;rlich zu fantastischen Skulpturen, bis sie in sich zusammensinken und neue Bilder entstehen lassen. Auch die von der Decke des Wu&#776;rfels ha&#776;ngenden Fa&#776;den aus erwa&#776;rmter Isoliermasse folgen ihren eigenen Gesetzen. Die Ta&#776;nzerInnen mu&#776;ssen sich anpassen. "Michel Blazys Arbeiten, die sich mit Langsamkeit, Verga&#776;nglichkeit und Entwicklung auseinandersetzen, haben durchaus auch einen choreografischen Aspekt. In ihrem, mitunter zehn Jahre dauernden, Verfalls- und Vera&#776;nderungsprozess hinterlassen Michels Installationen und Bilder Spuren. Die Bewegungen der Ta&#776;nzer und Ta&#776;nzerinnen hinterlassen keine. Sie gehen verloren." Diesem Prozess mo&#776;chte Haring entgegenwirken. Spuren sollen hinterlassen werden, "aber Entwicklung ist sehr schwer darzustellen."
  

  
Die Ko&#776;rper der Ta&#776;nzerInnen agieren nicht nur im installierten Garten des Michel Blazy sondern auch im Klangraum von Andreas Berger. Auch dieser ist sta&#776;ndigen Vera&#776;nderungen unterworfen, verschiebt sich, bewegt sich vor und zuru&#776;ck steht still, dehnt sich und schrumpft, wird auch bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Wie in einem experimentellen Film wiederholen auch die Ta&#776;nzerInnen bestimmte Sequenzen, bewegen sich in der Dimension Zeit vor und zuru&#776;ck, dekonstruieren ihre Bewegungen und setzen sie neu zusammen.

"Der Sound", sagt Haring, "ist das Wichtigste, davon gehen wir aus. Das Experimentieren mit akustischen Settings ist integraler Bestandteil jedes Bu&#776;hnenstu&#776;cks. Der Sound ist schon da, bevor ich mit der Choreografie beginne." Natu&#776;rlich ist auch die gemeinsam mit Blazy ausgwa&#776;hlte Gartenbepflanzung schon da. Der Auswahlprozess ist schwierig und langwierig, weil Blazy mit einem reichhaltigen Fundus an Materialien experimentiert. Urspru&#776;nglich ha&#776;tten diesmal Glasnudeln den Garten bewachsen sollen. Doch dann wurde der Kunststoff bevorzugt, aber Chris Haring ha&#776;ngt am Nudeltopf: "Die kommen schon auch noch dran." Vielleicht, wenn der Garten im Freien aufgebaut wird.
  

  
Die modulare Konstruktion der Ga&#776;rten hat na&#776;mlich, abgesehen von der darunter liegenden Theorie, auch einen praktischen Wert. "Wir ko&#776;nnen Teile herausnehmen und in anderer Umgebung zeigen oder mit anderen Teilen neu zusammensetzen. Unser Ausgangspunkt ist willku&#776;rlich gewa&#776;hlt: Eine einzige Minute aus dem Probenprozess haben wir zur zentralen Szene der Auffu&#776;hrung gemacht. Damit wird gespielt." Der Garten ist transportabel und "Mush Room" wird nach der Urauffu&#776;hrung im Tanzquartier auch auf dem Residenzplatz in Salzburg, mitproduziert von der Szene Salzburg, zu sehen sein. Ebenso beim Festival tanz ist in Dornbirn und im Hochsommer beim Internationalen ImPulsTanz Festival in Wien.
  

  
Ein gutes halbes Jahr arbeitet Haring mit seinem Team (jeweils aus allen Ecken der Welt anreisend) an einem neuen Gartenmodul. Ruhender Pol und langja&#776;hrige Stu&#776;tze von Liquid Loft: die Ta&#776;nzerin und Choreographin Stephanie Cumming, die im Schwammerlgarten sowohl mittanzt als auch als choreografische Assistentin ist. Apropos "Schwammerl", genau das soll "Mush Room" nicht sein, sondern "ein Schwammerlaktionismus, ein Marionettentheater." Sich als Zuschauerin im "Perfect Garden" zu unterhalten, ist erlaubt, kuscheliges Wohlgefu&#776;hl und purer a&#776;sthetischer Genuss jedoch nicht beabsichtigt.
  

  


Wiener Zeitung, 10.02.2012
Tanz der Anti-Schwammerln / Verena Franke



Silbriger Grusel im perfekten Garten.



Chris Haring macht sich die Natur untertan und krönt sich zum Herrn über die Zeit. Was nach fortgeschrittenem Größenwahn klingt, ist schlichtweg Inhalt seiner jüngsten Performance "Mush Room". Die Schwammerln sind der zweite Teil seiner Performance-Reihe "The Perfect Garden", die er im Vorjahr mit "Wellness" eröffnete.



Der Garten im Kubus



Einmal mehr widmet sich der heimische Performer mit seinem Ensemble Liquid Loft der Gartenidee des Wachsens und Gedeihens, aber auch des Vergehenlassens. Diesmal in einem Raum im Raum, einem Kubus, der aus glänzenden, scheinbar klebrigen Fäden besteht. Wie schon in "Wellness" schafft der französische Künstler Michel Blazy ein Spielfeld, in dem Haring seine Performance aufblühen lassen kann: Durch immer wieder kehrende Repetitionen intensivieren sich die Bewegungen, die von den glitzernden Fädchen beeinflusst werden. Das braucht Zeit, die sich Haring nimmt, ohne sein Publikum zu sättigen. Abläufe zerlegt er, dann setzt er sie neu zusammen: Sequenzen beginnen im Rücklauf, um danach erst in "normaler" Zeitfolge zu entstehen.



Richtig gruselig wird es dann mit der Klangkulisse von Andreas Berger, der Harings Zeitbegriff in seiner Komposition aufgreift und reflektiert: Surreale Lacher, ansteckendes Baby-Kichern und Glucksen sowie zischende Begleitgeräusche betten die Performer in eine faszinierende Endlosschleife, in der "Mush Room" wohl eher mit der Übersetzung in "Verwirrungsraum" zu tun hat als mit Schwammerln.




Kurier, 11.02.2012
  


Strapazierter Mensch auf Selbstsuche / Silvia Kargl
  

  
Wie nutzt die Gesellschaft die Zeit? Dieser Frage gehen Liquid Loft/Chris Haring in ihrem neuen Stück "Mush Room" im Tanzquartier/Halle G nach (noch zu sehen heute, Samstag). Auch in diesem zweiten Teil des mehrteiligen Projekts "Perfect Garden" an verschiedenen Schauplätzen steht nach "Wellness" der durch äußere Einflüsse und selbst auferlegte Zwänge strapazierte Mensch im Mittelpunkt.
  

  
Der Set-Designer Michel Blazy fand mit einem von dünnen Fäden durchzogenen Quader einen adäquaten äußeren Rahmen, der wie ein kunstvolles, zunächst verführerisches Gefängnis mit Netzen wirkt.

Die Performer verfallen auf der Suche nach dem Gleichgewicht und nach Empfindungen in geradezu manische Bewegungsfolgen, verstricken sich im Fadennetz und finden keinen Ausweg. Bewegungen, Posen, Gesten und Texte werden als emotionslose Hüllen exekutiert. Kurze Moment des Genusses lassen sich schnell zerstören und kaputtreden.

Liquid Loft/Chris Haring ist eine starke Choreografie mit raffiniert verpackten sozialen Bezügen zur Gegenwart gelungen.
  

  


Kronen Zeitung, 13.02.2012

 Wie Tanz wuchert und verwelkt / Karlheinz Roschitz 
  

  
Er träumt von Paradiesen, von Utopien, die er letztlich zerstört, von der Entschleunigung der Zeit, von Bewegungsformen, die - ständig wiederkehrend - mehr und mehr an Intensität gewinnen: Chris Haring zeigt im MuseumsQuartier Halle G, die Uraufführung seiner Performance "Mush Room".
  

  
Bei ImPuls Tanz 2011 konnte man im Palmenhaus seine "Wellness", den ersten Teil der Trilogie "The Perfect Garden" bestaunen. In Halle G inszenierte er nun für seine Kompanie Liquid Loft Teil II, "Mush Room": eine Welt der Pilze, die wuchern, sich verschlingen und ihren Raum unterminieren.

Michel Blazy, "ein Jules Verne der Kunst", der "mikrokosmische Modelle zum System Leben und utopische Szenarien" entwickelt, entwarf für Haring einen wunderschönen Raum: einen Kubus aus hauchdünnen, klebstoffartigen Fäden, die im wechselnden Licht (Thomas Jelinek) an silbrige Spinnweben erinnern.
  

  
In diesem "Würfel" exerzieren die Damen und Herren Harings Performance - mit der Genauigkeit von Robotern, aber auch mit gewichtiger Bedeutsamkeit und Eleganz. Alles spielt in diesem "Perfect Garden" perfekt zusammen, sodass der Eindruck eines vegetabilen Gesamtkunstwerks entsteht. Tanz, der wuchert und wie altgewordene Kulturen verwelkt, wabert, zwischen sanft poetischem Bewegungsspiel, genau abgemessenem Ritual und aggressiven (Schläge-)Entladungen dahinschlingert. . .
  

  
Wesentlichen Anteil hat neben dem raffiniert geführten Licht aber auch die Klangkulisse, die Andreas Berger zwischen Groteske und einer beängstigenden Geräuschwelt aus der Konserve ansiedelt. Eine surreale Klangwelt wuchert und verweht. Eine Tänzerin verstrickt sich in sabbernden Wortkaskaden über Sex im Alter, eine andere in Gedanken über die Pflege von Kulturen...
  

  
Chris Haring, der bei der Biennale von Venedig für seine "Art of Seduction" mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, hat ein tiefes, ja abgründiges Stück entworfen, das auf den dritten Teil gespannt macht.


  





]]></description> <pubDate>Fri, 24 Feb 2012 16:08:00 GMT</pubDate></item><item>
		<title><![CDATA[Dates]]></title>
		<link>http://www.liquidloft.at//index.php?art_id=558</link>
		<description><![CDATA[

]]></description> <pubDate>Mon, 13 Feb 2012 21:14:00 GMT</pubDate></item><item>
		<title><![CDATA[Dates]]></title>
		<link>http://www.liquidloft.at//index.php?art_id=557</link>
		<description><![CDATA[

]]></description> <pubDate>Mon, 13 Feb 2012 21:12:00 GMT</pubDate></item><item>
		<title><![CDATA[Dates]]></title>
		<link>http://www.liquidloft.at//index.php?art_id=556</link>
		<description><![CDATA[

]]></description> <pubDate>Sun, 22 Jan 2012 14:42:00 GMT</pubDate></item><item>
		<title><![CDATA[Dates]]></title>
		<link>http://www.liquidloft.at//index.php?art_id=555</link>
		<description><![CDATA[

]]></description> <pubDate>Sun, 22 Jan 2012 14:38:00 GMT</pubDate></item></channel></rss>
