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Posing Project B

The Art of Seduction

The Art of Seduction wurde für die Biennale di Venezia 2007 (Göldener Löwe für die beste Performance) zum Thema "Body und Eros" erarbeitet und versteht sich als Synthese von Tanz und Installation, die das Verführungsspiel zwischen PerformerInnen und Publikum umkreist. Die Pose ist hier jener zitternde Moment, wo ein Körper innehält, scheinbar in sich ruht, während sich schon sein Bild von ihm löst und als Stereotyp im Auge des Betrachters endet.
Photos: Chris Haring, Michael Loizenbauer

Das Spiel der Verführung ist komplex: Man muss den Anderen glauben machen, dass man das hat, was er will, ohne dabei den Verdacht zu wecken, dass man nur aus persönlichen Motiven bereit ist, es herzugeben. Verführung will eine Verbindung herbeiführen mittels gegenseitiger Irreführung. Und das geht nicht ohne die Intervention einer dritten Partei – dem Pfeil des Eros.

Der Pfeil ist dieser Sog, dieser Strahl des Fleisches - der Sog ins Unendliche. Dieser Sog wird nur erträglich durch die Falten der Künstlichkeit, die Gesten der Verführung, die Kaprizen eines unhaltbaren Versprechens, die den Sog in sich umlenken, ohne ihm Einhalt gebieten zu können. Dieser Sog des Eros ist wie ein Striptease, bei dem alle Gesten der Enthüllung immer neue Schichten an Kleidern zu Tage fördern.


Video:  Michael Loizenbauer

Diese Wesen, sind sie Lehrlinge in der Schule des Eros, die sich bemühen, das Handwerk der Kunst der Verführung zu lernen? Ihre kleinen Manöver des Anziehens und Posierens, ihre nachgiebige Einwilligung, fremde Worte und Lieder aus ihrem Mund kommen zu lassen, ihr plötzlicher Abstieg in den archaischen Abgrund der Sirenen und monströsen Models, beweisen ihre hohe Motivation – und doch ... nichts schützt sie davor, selbst ihren Verführungsstrategien zum Opfer zu fallen. Hinter ihren Rücken enthüllt der Aufstand der obszönen Schatten das schmutzige kleine Geheimnis hinter dem Glamour und dem Flirt – oder auch die Beharrlichkeit gewisser alter Stiche, die Macht des de Sade’schen Tableau Vivant für die Initiation in die lebhaften Manipulationen des Eros. Selbst das bezauberndste Wesen braucht stereotype Modelle, um die Kunst der Verführung zu lernen, und das ist ziemlich riskant, denn Eros liebt nur das Einzigartige.

Wenn du dich inmitten einer Swingerclub-Orgie immer noch einsam fühlst, singt Eros sein melan-cholisches Lied. Eros siegt, wenn nicht mehr ein Mann eine Frau oder eine Frau einen Mann verführt. Eros will mehr: Wie verführe ich eine Welt?