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Foreign Tongues

Foreign Tongues
street cluster


Im Labyrinth der Städte ist eine gewisse Unübersichtlichkeit nicht zu vermeiden. Zufällige Begegnungen im öffentlichen Raum fördern das Reaktionsvermögen, lenken die Blicke, lassen neue Denk- und Sichtweisen zu, definieren nebenbei aber auch die Kommunikation, die zwischen den Menschen, unter dem Druck von Architektur, Materie und Landschaft entsteht. Die Fragen, wie wir Sprache verwenden, wie eine gegebene Mitteilung vom anderen interpretiert wird, stehen im Zentrum dieser Arbeit; denn die Stadt als Spiel- und Lebensraum bringt unaufhörlich neue Ausdrücke, Jargons und Variationen hervor. 


Wie aber klingt eine bestimmte „Bedeutung“ konkret? Wie sieht sie aus, wenn sie „verkörpert“ wird? In Foreign Tongues sind Sprachen, ehe sie noch „Sinn“ ergeben, erst einmal Sound und Rhythmus, ambivalente Klanginseln. Dialekte, Regionalsprachen und Slangs werden auf Basis von Dynamik, Betonung und akustischer Atmosphäre in Bewegungssequenzen übersetzt. Sprachmuster werden – im Zusammenspiel von Gefühl und Verstand – musikalisch erfasst und gestisch interpretiert. Was zunächst wie babylonisches Sprachengewirr erscheinen mag, wird durch die jeweilige körperliche Umsetzung im Raum zu einer Form der Verständigung, die viel mehr ist als ihr rein sprachlicher Gehalt. 

Mit einem flexiblen Sound-System verweben die PerformerInnen die urbane Klangumgebung mit den Timbres ganz anderer, ferner oder benachbarter Sprachräume. Das Publikum folgt diesen Audio-Spuren, die sich durch die tänzerische Interpretation wie eine Partitur unter freiem Himmel lesen lässt. Der Sound der Städte wird zur spoken word symphony, die sich mit jedem neuen Ort erweitert. Foreign Tongues nutzt sprachliche Kollisionen und kommunikative Widersprüche als Gestaltungsmittel – und zeigt dabei unter anderem, wie viel man schon begreifen kann, wenn man noch gar nichts zu verstehen meint.



In der Projektserie Foreign Tongues untersucht Liquid Loft die komplexen Interaktionen zwischen sprachlichen Mitteilungen und deren physischen Begleiterscheinungen. Foreign Tongues nähert sich mit dem Vokabular der Körpersprache den oft widersprüchlichen Formen der Kommunikation. Ausgangspunkt für die unterschiedlichen Performances sind Sprachaufnahmen, die im Rahmen persönlicher Interviews in verschiedenen Regionen Europas hergestellt wurden.

Die site-spezifischen Performances dieses IN SITU pilot projects haben ihren Ausgangspunkt in unterschiedlichen Städten Europas und reflektieren deren Slangs, Jargons und Klangumgebung. Mit jedem neuen Ort wird die „Spoken Word Symphony“ mit neuen Sounds bereichert; Landschaft und Architektur ergeben die Szenographie des Stückes.