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Mush:Room

Reminiscence Festival Krakow, 06.10.2012

Wojciech Klimczyk, Dance Curator at Reminiscence Festival Krakow.

Chris Haring is known for his ironic view of reality and his interest in latest technologies. Those two elements merge in his work to give a highly explosive mixture. Still, Haring’s precise choreographies have nothing futuristic about them. On the contrary – the humane and the clarity of message, achievable through the diversity and charisma of his company’s personalities, are their essence. This can be said as well about his latest show, Mush Room, created in collaboration with Michel Blazy. This bio-artist created a hypnotic space, where a group of people perform their daily rituals which prove to be surprisingly mysterious. Studied poses, words repeated over and over, activities scrutinized down to the smallest detail – that’s the contemporary society of design as shown in Mush Room. In such circumstances body becomes a stunningly perfect technology for being – the ultimate designable space, fascinating on the one hand, and horrifying on the other. It’s because Liquid Loft shows that in a perfect world void is also perfectly visible. Mush Room combines brilliant artistry and depth of insight in a perfect blend.


Il Giornale dI Vicenza, 17.08.2012

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Il Gazettino, 17.08.2012

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Il Giornale di Vicenza, 19.08.2012

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BVZ, 08.08.2012

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(Dietmar Baurecht)

Kurier, 03.08.2012

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Tanz.at, 03.08.2012

Mush : Room (Extended) / Ditta Rudle

The Perfect Garden. Liquid Loft / Chris Haring zeigen mit „Mush Room“ im Odeon eine ebenso sinnlich-laszive wie höllisch-beängstigende Performance, ein Gesamtkunstwerk aus Klang, Licht, Bewegung der fremden Körper im lebenden Garten aus Pilzen und grünen Linsengewächsen von Michel Blazy. „Mush:Room“ ist nach „Wellness“ (ImPulsTanz 2011) der 2. Teil der „Perfect-Garden-Serie“, in der sich Haring und sein Team mit Paradiesvorstellungen auseinandersetzen. Nach der Premiere von Mush Room im Februar dieses Jahres im Tanzquartier , sind nun die Module, mit denen Haring in seinen „Serien“ arbeitet, verändert und ausgetauscht und die Aufführung im Rahmen der CPA speziell für den hohen, weiten Raum des Odeon adaptiert worden.


Weil die Gewächse gezüchtet werden müssen, die Fäden gesponnen, hat die Performance längst begonnen, bevor sie beginnt. Im heißen Foyer des Odeon liegen zwei faulende Melonenschnitten auf einer Säule. Ein Videokamera wirft den Prozess des Verrottens an die Wand. Weiße Würmer kriechen durch rosa Fleisch. Ein abstraktes Bild von barocker Ästhetik.

Seelenlos im Zaubergarten. Drinnen im Zuschauerraum schweben grüne Pflanzen in feuchten Schwämmen von der Decke, im Luftzug sind glitzernde Fäden zu sehen. Nur allmählich wird es hell, während ein Mann von wohlschmeckenden Speisen plappert. So wie er seine Litanei von Nach- und Vor- und Hauptspeisen in ständiger Wiederholung herunterbetet, geht es nicht um mäßigen Genuss, sondern um die Unmäßigkeit, ums Fressen. Oben in den letzten Reihen schreit eine Frau. Aus Schmerz? Aus Wut? Aus Lust? Langsam schälen sich die beiden Frauen an der Seitenwand aus ihrem grünen Plastikgefängnis. Das Ensemble (Stephanie Cumming, Kathryn Enright, Ian Garside, Anna Maria Nowak, Raquel Odena, Thales Weilinger) formiert sich um das weiße leuchtende Viereck in der Mitte. Die TänzerInnen weichen ihm aus, nähern sich allmählich es umkreisend und betreten den gefährlichen Raum spät und widerwillig.

Wie seelenlose Avatare bewegen sich die Körper im Raum, werden zu Maschinen, die im immer gleichen Rhythmus gefangen sind. Die mechanischen Puppen betasten und umarmen einander, treten und stoßen einander auch, lachen, kreischen, plappern im Zeitraffer, erzählen vom Kaiserschmarren und Kohl, von Eis und Erdnüssen. Das entbehrt auch nicht des hintergründigen Humors.

Der vergeht mir bald. Das scheinbare Paradies wandelt sich immer mehr zur Hölle, der auch das Publikum nicht entrinnen kann. Der Genuss sättigt nicht, was wächst wird zur Wucherung, Wollust mündet in Schmerz. Endlich erreichen die sechs Marionetten den Raum aus klebstoffartigen Fäden in der Mitte. So verlockend sie im Bühnenlicht schimmern, so bösartig scheinen diese alles umschlingenden Fasern zu sein. Sie bilden eine Barriere, verwickeln sich zu geometrischen Gebilden, werden zu Tentakeln, die an den Körpern kleben. Diese sind nicht nur im klebrigen Netz gefangen sondern auch in den Bewegungsschleifen, sind zu Automaten geworden, die im Leerlauf unaufhörlich pumpen müssen.

Auch wenn Chris Haring, der mit Stephanie Cummings für die Choreografie zeichnet, von einer „Live-Performance“ spricht, so hat der Abend keinerlei Improvisationscharakter, jede Person kennt ihren Part, so perfekt und präzise bewegen sich die Körper im komplexen Sound- und Lichtraum(Andreas Berger / Thomas Jelinek) . Und so exakt und befriedigend ist das Ende der eindrucksvollen Performance zeitlich gesteuert.Das Ende ergibt sich von selbst Eine Wohltat! Ein Abend, an dem die Theorie (Andreas Spiegel) in der Praxis sichtbar wird, den man ebenso gut auch ohne theoretisches Geraune genießen kann.


Der Standard, 10.02.2012

Gespenstertanz in einem Störungsgebiet / Helmut Ploebst

Feine Fäden, die im Bühnenlicht so zart schimmern wie Spinnweben: "Mush Room" von Chris Haring im TQW.

Wien - Schon zu Beginn des Stücks, wenn aus den Lautsprechern ein Dosenlachen durch das noch dunkle Theater scheppert, wird die Atmosphäre unheimlich. Tatsächlich bleibt einem bei Chris Harings Tanzstück Mush Room, das im Tanzquartier Wien uraufgeführt wurde, öfters einmal das Lachen im Hals stecken.

Und nicht erst, wenn eine Tänzerin mit asiatischem Aussehen an ein Mikrofon tritt und in spritzigem Schweizerdeutsch die Zusammenhänge zwischen Sex in reiferen Jahren und Alzheimer erörtert. Sondern bereits, sobald nach dem erwähnten ersten Dosenlachen ein weiteres Mitglied der siebenköpfigen Truppe in dem Stück manieriert erklärt, wie schwierig es sei, etwas zum Wachsen zu bringen und wie leicht alles Gehegte und Gepflegte verkümmern und absterben kann.

Mush Room ist der zweite Teil eines Tanzprojekts, das Haring und seine Gruppe Liquid Loft vergangenen Sommer beim Impulstanz-Festival begonnen haben: The Perfect Garden, eine Serie über die Ambivalenz von Paradiesesvorstellungen und über das Trügerische an Utopien mit Erlösungsversprechen. Nach dem Einstieg mit Wellness im schwülen Palmenhaus des Burggartens nun also im Winterfrost die Fortsetzung unter einem Titel, bei dem an Pilzwucherungen und an im Englischen so genannte "mush areas", also Störungsgebiete, gedacht werden kann.

Der französische Künstler Michel Blazy hat in die Mitte der Bühne einen transparenten Raum gestellt, dessen Wände und Inneres aus feinen, klebstoffähnlichen Fäden bestehen, die im Bühnenlicht so zart schimmern wie Spinnweben. In diesen Raum strebt das gesamte Personal des Stücks. Doch dort verwandeln sich alle in Störfälle: Mechanisch wie kaputte Roboter führen sie immer gleiche Bewegungsmuster aus und verbinden sich zu leerlaufenden Menschenmaschinen.

In weiteren Szenen wird klar, dass dieser offen erscheinende, pseudoideale Raum auf der Bühne so etwas wie ein grieselndes Fernsehbild ist, durch das hin und wieder Fetzen eines Films flimmern. Die Figuren im Stück werden von Störungen erfasst, die sie von Wesen aus Fleisch und Blut in virtuelle Gespenster transformieren. Ihre Körper flackern, stottern, geraten in Feedback-Schleifen, bekommen Sprechdurchfall, werden rückwärts und vorwärts abgespielt. Und sie scheinen das alles gar nicht zu bemerken. So gefährlich sind unsere Paradiese.

Haring und seine Komplizen - der Soundkünstler Andreas Berger und der Dramaturg Thomas Jelinek, in The Perfect Garden erweitert durch Blazys Bühne und diesmal mit Andreas Spiegl als künstlerischem Begleiter - bearbeiten das Thema der medialen Verwurstung des menschlichen Körpers seit Jahren. Und weisen immer wieder aus verschiedenen Perspektiven auf den Totalverlust des sogenannten Authentischen im Zwischenreich des virtuellen Raums hin. Die dabei entstehenden Arbeiten sind, immer auf hohem Niveau ironisch, einmal schlüssig, dann wieder eher an Gags orientiert.

In Mush Room ist Liquid Loft allerdings alles gelungen: von der bewundernswerten Performance der Tänzer über Licht und Dramaturgie bis hin zur Bühne und dem brillanten Sound. (Helmut Ploebst, DER STANDARD - Printausgabe, 11./12. Februar 2012)

Tanz.at 02.02.2012

Reifezeit im klingenden Garten / Ditta Rudle

Nachdem im perfekten Garten von Liquid Loft der „Wellness“ gehuldigt
worden ist (2011), lassen Chris Haring und sein Team nun die Schwammerl wachsen. „Mush Room“ ist der zweite Teil der Reihe „The Perfect Garden“, die aus immer neuen modularen Performances besteht. Dabei ist die Veränderung, das Wachsen und Werden, organischer und anorganischer Körper und Objekte ebenso Bestandteil des Geschehens wie der sich ständig wandelnde Klangraum, in dem sich die TänzerInnen bewegen.

Einfach ist es nicht, sich im Garten von Michel Blazy zurecht zu finden. Silbrig glänzende, klebrige Fäden teilen den Kubus aus der Bühne in kleine und kleinste Räume, entwickeln ein Eigenleben, reißen ab, tropfen zu Boden, behindern die TänzerInnen oder weisen ihnen den Weg. Der französische Künstler liebt, wie Chris Haring, der künstlerische Leiter von Liquid Loft, das Experiment und die Veränderung. Blazys Materialien, die er für seine Werke (Malereien, Skulpturen und Installationen) benötigt, sind der Natur entnommen (ausgepresste Orangenhälften, Kartoffelflocken, Agar-Agar) oder stammen aus Baumärkten und Gartencentern. Die verarbeiteten Produkte überlässt er, als Metaphern des Wachstums, dem natürlichen Veränderungsprozess, den er nur bedingt beeinflussen kann.

Fasziniert von den Arbeiten Blazys hat ihn Chris Haring für seine Serie „The Perfect Garden“ als Setdesigner engagiert, um seine eigenden Gedanken über die Zeit, ihr Fortschreiten und Vergehen, zu visualisieren. Kann man die Zeit anhalten? Ein Ereignis immer wieder zurückholen, um das Glück erneut zu erleben und zu genießen? Die Natur hält sich nicht an die Wünsche des Individuums, die Schaumgebilde (in „Wellness“) wachsen unaufhörlich zu fantastischen Skulpturen, bis sie in sich zusammensinken und neue Bilder entstehen lassen. Auch die von der Decke des Würfels hängenden Fäden aus erwärmter Isoliermasse folgen ihren eigenen Gesetzen. Die TänzerInnen müssen sich anpassen. „Michel Blazys Arbeiten, die sich mit Langsamkeit, Vergänglichkeit und Entwicklung auseinandersetzen, haben durchaus auch einen choreografischen Aspekt. In ihrem, mitunter zehn Jahre dauernden, Verfalls- und Veränderungsprozess hinterlassen Michels Installationen und Bilder Spuren. Die Bewegungen der Tänzer und Tänzerinnen hinterlassen keine. Sie gehen verloren.“ Diesem Prozess möchte Haring entgegenwirken. Spuren sollen hinterlassen werden, „aber Entwicklung ist sehr schwer darzustellen.“

Die Körper der TänzerInnen agieren nicht nur im installierten Garten des Michel Blazy sondern auch im Klangraum von Andreas Berger. Auch dieser ist ständigen Veränderungen unterworfen, verschiebt sich, bewegt sich vor und zurück steht still, dehnt sich und schrumpft, wird auch bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Wie in einem experimentellen Film wiederholen auch die TänzerInnen bestimmte Sequenzen, bewegen sich in der Dimension Zeit vor und zurück, dekonstruieren ihre Bewegungen und setzen sie neu zusammen.

„Der Sound“, sagt Haring, „ist das Wichtigste, davon gehen wir aus. Das Experimentieren mit akustischen Settings ist integraler Bestandteil jedes Bühnenstücks. Der Sound ist schon da, bevor ich mit der Choreografie beginne.“ Natürlich ist auch die gemeinsam mit Blazy ausgwählte Gartenbepflanzung schon da. Der Auswahlprozess ist schwierig und langwierig, weil Blazy mit einem reichhaltigen Fundus an Materialien experimentiert. Ursprünglich hätten diesmal Glasnudeln den Garten bewachsen sollen. Doch dann wurde der Kunststoff bevorzugt, aber Chris Haring hängt am Nudeltopf: "Die kommen schon auch noch dran." Vielleicht, wenn der Garten im Freien aufgebaut wird.

Die modulare Konstruktion der Gärten hat nämlich, abgesehen von der darunter liegenden Theorie, auch einen praktischen Wert. „Wir können Teile herausnehmen und in anderer Umgebung zeigen oder mit anderen Teilen neu zusammensetzen. Unser Ausgangspunkt ist willkürlich gewählt: Eine einzige Minute aus dem Probenprozess haben wir zur zentralen Szene der Aufführung gemacht. Damit wird gespielt.“ Der Garten ist transportabel und „Mush Room“ wird nach der Uraufführung im Tanzquartier auch auf dem Residenzplatz in Salzburg, mitproduziert von der Szene Salzburg, zu sehen sein. Ebenso beim Festival tanz ist in Dornbirn und im Hochsommer beim Internationalen ImPulsTanz Festival in Wien.

Ein gutes halbes Jahr arbeitet Haring mit seinem Team (jeweils aus allen Ecken der Welt anreisend) an einem neuen Gartenmodul. Ruhender Pol und langjährige Stütze von Liquid Loft: die Tänzerin und Choreographin Stephanie Cumming, die im Schwammerlgarten sowohl mittanzt als auch als choreografische Assistentin ist. Apropos „Schwammerl“, genau das soll „Mush Room“ nicht sein, sondern „ein Schwammerlaktionismus, ein Marionettentheater.“ Sich als Zuschauerin im „Perfect Garden“ zu unterhalten, ist erlaubt, kuscheliges Wohlgefühl und purer ästhetischer Genuss jedoch nicht beabsichtigt.

Wiener Zeitung, 10.02.2012

Tanz der Anti-Schwammerln / Verena Franke

Silbriger Grusel im perfekten Garten.

Chris Haring macht sich die Natur untertan und krönt sich zum Herrn über die Zeit. Was nach fortgeschrittenem Größenwahn klingt, ist schlichtweg Inhalt seiner jüngsten Performance "Mush Room". Die Schwammerln sind der zweite Teil seiner Performance-Reihe "The Perfect Garden", die er im Vorjahr mit "Wellness" eröffnete.

Der Garten im Kubus

Einmal mehr widmet sich der heimische Performer mit seinem Ensemble Liquid Loft der Gartenidee des Wachsens und Gedeihens, aber auch des Vergehenlassens. Diesmal in einem Raum im Raum, einem Kubus, der aus glänzenden, scheinbar klebrigen Fäden besteht. Wie schon in "Wellness" schafft der französische Künstler Michel Blazy ein Spielfeld, in dem Haring seine Performance aufblühen lassen kann: Durch immer wieder kehrende Repetitionen intensivieren sich die Bewegungen, die von den glitzernden Fädchen beeinflusst werden. Das braucht Zeit, die sich Haring nimmt, ohne sein Publikum zu sättigen. Abläufe zerlegt er, dann setzt er sie neu zusammen: Sequenzen beginnen im Rücklauf, um danach erst in "normaler" Zeitfolge zu entstehen.

Richtig gruselig wird es dann mit der Klangkulisse von Andreas Berger, der Harings Zeitbegriff in seiner Komposition aufgreift und reflektiert: Surreale Lacher, ansteckendes Baby-Kichern und Glucksen sowie zischende Begleitgeräusche betten die Performer in eine faszinierende Endlosschleife, in der "Mush Room" wohl eher mit der Übersetzung in "Verwirrungsraum" zu tun hat als mit Schwammerln.

Kurier, 11.02.2012

Strapazierter Mensch auf Selbstsuche / Silvia Kargl

Wie nutzt die Gesellschaft die Zeit? Dieser Frage gehen Liquid Loft/Chris Haring in ihrem neuen Stück "Mush Room" im Tanzquartier/Halle G nach (noch zu sehen heute, Samstag). Auch in diesem zweiten Teil des mehrteiligen Projekts "Perfect Garden" an verschiedenen Schauplätzen steht nach "Wellness" der durch äußere Einflüsse und selbst auferlegte Zwänge strapazierte Mensch im Mittelpunkt.

Der Set-Designer Michel Blazy fand mit einem von dünnen Fäden durchzogenen Quader einen adäquaten äußeren Rahmen, der wie ein kunstvolles, zunächst verführerisches Gefängnis mit Netzen wirkt.

Die Performer verfallen auf der Suche nach dem Gleichgewicht und nach Empfindungen in geradezu manische Bewegungsfolgen, verstricken sich im Fadennetz und finden keinen Ausweg. Bewegungen, Posen, Gesten und Texte werden als emotionslose Hüllen exekutiert. Kurze Moment des Genusses lassen sich schnell zerstören und kaputtreden.

Liquid Loft/Chris Haring ist eine starke Choreografie mit raffiniert verpackten sozialen Bezügen zur Gegenwart gelungen.

Kronen Zeitung, 13.02.2012

Wie Tanz wuchert und verwelkt / Karlheinz Roschitz

Er träumt von Paradiesen, von Utopien, die er letztlich zerstört, von der Entschleunigung der Zeit, von Bewegungsformen, die - ständig wiederkehrend - mehr und mehr an Intensität gewinnen: Chris Haring zeigt im MuseumsQuartier Halle G, die Uraufführung seiner Performance "Mush Room".

Bei ImPuls Tanz 2011 konnte man im Palmenhaus seine "Wellness", den ersten Teil der Trilogie "The Perfect Garden" bestaunen. In Halle G inszenierte er nun für seine Kompanie Liquid Loft Teil II, "Mush Room": eine Welt der Pilze, die wuchern, sich verschlingen und ihren Raum unterminieren.

Michel Blazy, "ein Jules Verne der Kunst", der "mikrokosmische Modelle zum System Leben und utopische Szenarien" entwickelt, entwarf für Haring einen wunderschönen Raum: einen Kubus aus hauchdünnen, klebstoffartigen Fäden, die im wechselnden Licht (Thomas Jelinek) an silbrige Spinnweben erinnern.

In diesem "Würfel" exerzieren die Damen und Herren Harings Performance - mit der Genauigkeit von Robotern, aber auch mit gewichtiger Bedeutsamkeit und Eleganz. Alles spielt in diesem "Perfect Garden" perfekt zusammen, sodass der Eindruck eines vegetabilen Gesamtkunstwerks entsteht. Tanz, der wuchert und wie altgewordene Kulturen verwelkt, wabert, zwischen sanft poetischem Bewegungsspiel, genau abgemessenem Ritual und aggressiven (Schläge-)Entladungen dahinschlingert. . .

Wesentlichen Anteil hat neben dem raffiniert geführten Licht aber auch die Klangkulisse, die Andreas Berger zwischen Groteske und einer beängstigenden Geräuschwelt aus der Konserve ansiedelt. Eine surreale Klangwelt wuchert und verweht. Eine Tänzerin verstrickt sich in sabbernden Wortkaskaden über Sex im Alter, eine andere in Gedanken über die Pflege von Kulturen...

Chris Haring, der bei der Biennale von Venedig für seine "Art of Seduction" mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, hat ein tiefes, ja abgründiges Stück entworfen, das auf den dritten Teil gespannt macht.