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Burning Palace

The Art of Seduction - The Film

Eine Bühne, Marmorsäulen, der rote Vorhang schließt sich. "You only have a split second of a pose to multiply your transgression (1).“ Wie eine provokante Handlungsanleitung klingt dieser erste Satz, der die Eröffnungssequenz einleitet: das Spiel von fünf Figuren, verstrickt in erotischem Innuendo, mehr Schein als Sein: Die pornographischen Posen sind lediglich in ihrem Schattenwurf sexuell interpretierbar. Tatsächlich im gleißenden Licht: fünf ProtagonistInnen, die sich aufwärmen für eine Nacht im Hotel "Burning Palace“.
Photo: Mara Mattuschka

Noch selten erfuhr Körperpräzisionsarbeit eine derart dichte filmische Entsprechung wie in Mattuschkas/Harings neuem Film. In ausgetüftelten tableaux vivants erwachen schwitzige Leiber aus einer unruhigen, traumerfüllten Hotelnacht, räkeln ihre Männer- und Frauenkörper aus grotesken Posen hinein in eine Szenerie der Grenzüberschreitung: zwischen Objekten und Körpern, zwischen Tönen und Melodien, zwischen den Geschlechtern kommt es zu jenen kategorialen Übertretungen und Verschiebungen, die so typisch sind für Mattuschka. Durch eine für die Filmemacherin ganz bezeichnende Dringlichkeit des gestischen Ausdrucks, die durch die große, jedoch verwunderlicherweise stets unaufdringliche Nähe der Kamera zu den Körpern hergestellt scheint, kommt es zu einer mimetischen Kommunikation zwischen den Wesen (sind es wirklich Menschen?), die diesen Palast bevölkern.

Die verfremdete Soundscape aus Atmen, Singen, Sprechen, liefert die Architektur für die Logik des Bildaufbaus und bestimmt in zunehmender Unheimlichkeit (der Palast als Hotel, als Heterotopie) die Chronologie der Ereignisse, das Karnevaleske der Geste, die Materialität der Körper. Von "Paris is Burning“ zu diesem Burning Palace: ein Katzensprung.

Text: Andrea B. Braidt

(1) Katherina Zakravsky