Photos: Stefan Hauer, Michael Loizenbauer, Tanz.Ist, Chris Haring, Wolfgang Kirchner.
Mush:Room wurde als erweiterbare Bühnenversion innerhalb dieser Serie kreiert. Bisherige Site-Spezifische Kreationen sind:
The Perfect Garden: Hof Dietrichsruh in der Salzburger Altstadt für die Sommerszene Salzburg (Juli 2012)
The Perfect Garden: Spielboden für Tanz.Ist Festival Dornbirn (Juni 2012)
The Perfect Garden: Palmenhaus (WELLNESS) im Wiener Burggarten für Impulstanz Vienna Int. Festival (August 2011)
In den Secondhand-Paradiesen von Michel Blazy (FR) treffen wir auf absurde, jedoch äußerst lebendige Charaktere. So abstrakt diese Geschöpfe auch erscheinen mögen, so unerbittlich und zäh bahnen sie sich ihren Weg durch Raum und Zeit, so wie sich die Ökonomie der Befindlichkeit in die Körper und durch die Körper frisst. Unaufhaltsam nistet sich das Wohlbefinden in diesen Körpern ein, verspeist sie und verdaut sie. Die TänzerInnen folgen diesem Verdauungsprozess möglicher Identitäten genauso wie den Soundgebilden von Andreas Berger (AT). Diese Soundgewächse zögern nicht, sich ein Spektrum von kompositorischen Figuren und Prozessen genauso einzuverleiben wie elektronische Partikel und Geräusche, die assoziativ zwischen einer Maschinerie der Befindlichkeit, Urschreifiguren und alltagskulturellem Ambiente oszillieren.
Modulare Performance
Der Garten dient als Metapher für eine Arbeitsweise. Der perfekte Garten soll flexibel sein, er dient nicht nur als Spielfeld und Umgebung, sondern auch als Inspirationsquelle; eine Art lebender Organismus, ein innerer Plan, der zur Verwirklichung kommen möchte, während er mit den äußeren Bedingungen kollidiert. Variationen und Metamorphosen, Formen und Muster kommen implizit zur Wirkung, so sie auch der menschlichen Natur abverlangt werden bzw. in ihr wahrnehmbar sind.
The Perfect Garden ist daher als kontinuierlicher Prozess zu sehen, aus dem mehrere, eigenständige Performance Module hervorgehen. In diesen temporären Biotopen wird zeitgenössischer Tanz mit ästhetischen und philosophischen Aspekten des menschlichen Körpers in Verbindung gesetzt. Wie bei künstlich angelegten Gärten fließt der architektonische, historische oder situative Kontext eines bestimmten Ortes in die Entstehung des Stückes mit ein und forciert die Handlungsweisen.
Michel Blazy achtet er auf die kleinen, unscheinbaren Dinge des Alltags und erfindet dynamische Definitionen. Mit Materialien aus Bau-, Agrikultur- oder Supermärkten entwickelt er mikrokosmische Modelle für multidisziplinäre Untersuchungen zum System des Lebens und entwirft gleichzeitig – quasi als Jules Verne der Kunst – utopische Szenarien. Dabei reagiert er auf Prozesse, die sich aus den Eigenschaften der gewählten Substanzen ergeben, und integriert unberechenbare Momente wie Kontrollverlust oder Chaos. Seine Arbeitsweise unter dem Motto "Werden und Vergehen" impliziert das Erfassen von Kreisläufen. So ist der Faktor Zeit ein weiteres immaterielles Gestaltungsmittel seines Formenrepertoires.
Ein essentieller Bestandteil der Arbeit von Liquid Loft ist das eigens kreierte Sound Environment; das gesamte körperlich Klangfeld der PerformerInnen wird ständig verändert und transformiert. Experimentieren mit akustischen Settings begleitet konstant jedes Bühnenstück bereits ab seiner Entstehung und reflektiert so die tänzerische Wirkung.
